
Reiseführer Kapstadt, Wine Lands und Garden Route

Das Ritual wiederholt sich jeden Sommer: Die Kapstädter strömen in Scharen in die Adderley Street. Auf der Bühne singen südafrikanische Popstars bis zum Sonnenuntergang. Dann wird die Weihnachtsbeleuchtung angeknipst. „Ist Kapstadt nicht die schönste Stadt der Welt?“, ruft der Moderator – und Zehntausende Kapstädter reißen die Arme hoch und bejubeln ihre Stadt.
In Momenten wie diesen spürt man, wie stolz die Kapstädter auf ihre Stadt sind. Sie nennen sie liebevoll Mother City – die Mutter aller Städte. Diesen Namen verdankt Kapstadt der Tatsache, dass sie die älteste Stadt des Landes ist: Vor über 300 Jahren hatten die ersten europäischen Siedler an diesem herrlichen Fleckchen Erde ihr Lager aufgeschlagen.
Buntes Volk, raue Natur
Im Zentrum der heutigen 5-Mio.-Metropole thront das mächtige Tafelberg- Massiv. Der Eintausender ist ein Hügel, verglichen mit Europas Bergen, und doch schätzen ihn die Kapstädter als schattenspendenden „Wächter“ über ihre Stadt. Im Zentrum reihen sich die Hochhäuser des Geschäftsbezirks an viktorianische Villen, fast so alt wie die Kapkolonie selbst. Um das Felsmassiv herum erstrecken sich unterschiedlichste Stadtteile: der Unibezirk Observatory, das Villenviertel Camps Bay oder das LGBTQ-Viertel Waterkant. Kapstadt ist so bunt wie seine Bevölkerung. Ein Blick über den Tafelberg zeigt, wie viele Bewohner über 30 Jahre nach dem Ende der Rassentrennung immer noch leben: nämlich in den Blechhütten und Ziegelbaracken der Townships. Und jenseits der brummenden Millionenmetropole? Dort erstreckt sich raue, unberührte Natur, umweht vom eisigen Südpolwind. Was Kapstadt und seine Umgebung so einzigartig macht? Die verschwenderische Vielfalt, mit der die Natur Afrikas Südspitze beschenkt hat. Wo sonst auf der Erde gehen hitzeverdörrte Buschsteppen nahtlos in mediterrane Blumenfelder über, prallen Ozeane auf Hochgebirge? Der Ausblick vom Tafelberg bietet ein grandioses Fotomotiv und am schönsten präsentiert sich Kapstadt vom Bloubergstrand im Norden aus, wo abends die Sonne im Ozean versinkt. Weiter unten bringt der Atlantik sein eiskaltes Wasser an die Strände – ein Gruß aus der Antarktis. Dann lieber an den Stränden bleiben, von denen es hier sehr viele gibt.
Geschichte
1488
Der Portugiese Bartolomeu Dias umsegelt erstmals das „Kap der Stürme“.
1652
Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) gründet eine Versorgungsstation für Schiffe. Der Beginn der Kolonialzeit
1806
Die Briten übernehmen die Kontrolle über die Kapkolonie.
1910
Kapstadt wird Teil der Südafrikanischen Union.
1967
Erste erfolgreiche Herztransplantation der Welt in Kapstadt
1971
Tausende Bewohner des District Six werden unter den strengen Rassengesetzen aus ihren Häusern vertrieben.
1990
Nelson Mandela hält seine erste Rede als freier Mann.
1994
Erste demokratische Wahlen
2013
Die Nation trauert um Staatsvater Nelson Mandela.
2018
Verheerende Dürre und Wasserknappheit in Kapstadt
2022
Das Parlament muss nach einem Brand auf Jahre schließen.
Apartheid spürbar
Die Kapstädter lassen sich von so viel Schönheit gerne anstecken. Auf ihre Gemütlichkeit sind die Kapstädter aber mindestens so stolz wie auf ihren Charme. Mit einem Schmunzeln erzählen sie, dass die Stadt eigentlich deshalb Mother City heiße, weil hier alles mindestens neun Monate brauche, bis es fertig ist. Diese Gemütlichkeit ist aber nur zum Teil der Grund, warum Kapstadt noch immer vor immensen Herausforderungen steht. Das Erbe der Apartheid lastet auf der Stadt. Politik und Verwaltung sind mit scheinbar unlösbaren Problemen konfrontiert. Eine reiche Minderheit lebt Tür an Tür mit der Mehrheit, die mit den Folgen extremer Armut zurechtkommen muss. Viele erhofften sich von der Fußball- WM 2010 einen Schub zur Lösung der sozialen Probleme. Doch Aufschwung und Arbeitsplätze blieben aus. Gleichzeitig gingen durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise 2008 viele Jobs verloren. Und auch die Covid-19-Pandemie traf die Kap-Republik hart: Der lebensnotwendige Tourismus brach ein, landesweit gingen mindestens 2 Mio. Jobs verloren. Überdurchschnittlich häufig sind Jugendliche von Arbeitslosigkeit betroffen. Sie protestieren zunehmend gegen die Politik der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC).
Täglich zwängen sich Millionen Kapstädter in einen Minibus. Für sie beginnt der Arbeitstag mit der waghalsigen Fahrt im Zwölf-Sitzer-Taxi. Immer noch ist die Metropole ein Spiegel der sozialen Ungerechtigkeit. Der Group Areas Act aus dem Jahr 1950 galt als Rechtfertigung für die Vertreibung der Schwarzen und coloureds aus der Innenstadt. Arbeiten in der Stadt, schlafen in den Townships – das bleibt für die arme Bevölkerung bis heute so. Zumindest im Kampf gegen die HIV/Aids-Epidemie gab es in den letzten Jahren große Fortschritte.
Hoffnung als Lebensmotto
Weiße Südafrikaner haben die Tendenz, die Zukunft des Landes pessimistischer als angemessen einzuschätzen. Auch wenn die Politik von Korruption geprägt sein mag: Fakt ist, dass es den meisten Weißen im Land noch immer vergleichsweise gut geht. Über siebzig Prozent der Führungspositionen sind in weißer Hand. Die soziale Schere zwischen Arm und Reich ist seit dem Ende der Apartheid nicht zu-, sondern eher noch weiter auseinandergegangen. Die erhoffte Besserung blieb auch unter Mandelas politischem Ziehsohn aus, dem 2018 gewählten Präsidenten Cyril Ramaphosa. Dahin ist der Traum von der Regenbogennation aber noch lange nicht: Sieben von zehn befragten Südafrikanern glauben fest daran, dass Südafrikas Volksgruppen in Zukunft in einer vereinten Nation zusammenleben werden.
Und wie steht es mit der Sicherheit angesichts der großen Armut? Die Antwort ist einfach: Wer sich an bestimmte Regeln hält, erlebt in Südafrikas Metropole eine ebenso schöne wie sichere Zeit. So kann man sich auf eine Stadt einlassen, deren Schönheit einen genauso einnehmen wird wie der Optimismus ihrer Bewohner – Vorsicht: Ansteckungsgefahr!
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Die Vielfalt, mit der Kapstadts Umgebung von der Natur beschenkt wurde, ist schon fast verschwenderisch. Erkunde die wilden Wälder und üppigen Fynbos-Blütenmeere der Garden Route, die sich an der Küste von Mossel Bay bis zum Tsitsikamma National Park erstreckt. Verkoste Wein auf einer der über 150 Weingüter in den malerischen Bergketten der Wine Lands oder erklimme per Seilbahn den Tafelberg. Ob shoppen am Greenmarket Square oder Sundowner am Partystrand – mit deinem MARCO POLO Reiseführer Kapstadt erlebst du einen Urlaub voller unvergessliche Momente!

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